Samuel Cavalcanti Costa

Der Charakter Des Tugendlichen Mannes: Die 100 Eigenschaften die moralische Exzellenz ausmachen (Paperback)

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Bevor wir uns mit den 100 Eigenschaften befassen ist es notwendig eine Grundlage zu schaffen. Was verstehen wir unter Tugend? Was bedeutet es überhaupt tugendhaft zu sein? Das Wort Tugend hat seinen Ursprung im lateinischen * virtus* das ursprünglich die dem Menschen eigene Stärke Kraft und Vortrefflichkeit ( *vir *) bezeichnete. Die Griechen vor uns verwendeten den Begriff *areté* der mit Vortrefflichkeit oder Erfüllung des Zwecks übersetzt werden kann. Für einen alten Griechen war Tugend nicht vom konkreten Leben getrennt: Die *areté * eines Pferdes war es gut zu laufen; die *areté* eines Auges war es gut zu sehen; die *areté* eines Menschen war es gut zu leben sein Wesen voll zu verwirklichen. Dieses erste Verständnis liefert uns bereits einen wichtigen Hinweis: Tugendhaftigkeit bedeutet nicht willkürlichen von einer äußeren Autorität auferlegten Regeln zu folgen. Vielmehr geht es darum die eigene Natur bestmöglich zu verwirklichen. Es geht darum als Mensch aufzublühen. Aristoteles der große griechische Philosoph widmete eines seiner wichtigsten Werke - die Nikomachische Ethik - der Frage was ein gutes menschliches Leben ausmacht. Seine grundlegende Schlussfolgerung lautet dass Tugend eine erworbene Bereitschaft ist gemäß der Vernunft zu handeln. Mit anderen Worten: Tugendhaft zu sein bedeutet einen Charakter zu besitzen der uns von Natur aus beinahe spontan zum Guten anspornt. Für Aristoteles ist Tugend nicht angeboren. Wir werden mit der Fähigkeit geboren tugendhaft zu werden doch diese Fähigkeit entfaltet sich erst durch Übung. So wie wir ein Instrument durch Spielen erlernen lernen wir gerecht zu sein indem wir gerecht handeln mutig zu sein indem wir mutig handeln und maßvoll zu sein indem wir Selbstbeherrschung üben. Tugend ist demnach eine Gewohnheit aber nicht im mechanischen Sinne des Wortes. Sie ist eine bewusste Gewohnheit eine zweite Natur die wir uns durch wiederholte Entscheidungen aneignen. Der tugendhafte Mensch handelt nicht zufällig oder unter Zwang richtig sondern weil er zu dieser Art von Mensch geworden ist. Ein weiterer grundlegender Aspekt der aristotelischen Sichtweise ist die Idee des Mittelwegs . Jede Tugend verkörpert das Gleichgewicht zwischen zwei extremen Übeln: dem Übermaß und dem Mangel. Mut beispielsweise bildet den Mittelweg zwischen Feigheit (Mangel) und Tollkühnheit (Übermaß). Großzügigkeit liegt zwischen Geiz (Mangel) und Verschwendungssucht (Übermaß). Geduld liegt zwischen Zorn (Übermaß) und Passivität (Mangel). Tugendhaft zu sein erfordert daher Urteilsvermögen - die Fähigkeit in jeder konkreten Situation den richtigen Punkt des Gleichgewichts zu finden. Aristoteles nannte dies Phronesis - praktische Weisheit Klugheit. Es ist angewandte Intelligenz im moralischen Leben. Ohne sie können Tugenden wirkungslos bleiben; mit ihr werden sie präzise und der jeweiligen Situation angemessen.
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Barcode / EAN9798250877770
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